Geplanter Hochwasserpolder im Leipheimer Donauwald

Der Donau-Auwald wurde vor der Kanalisierung der Donau Mitte des 19. Jahrhunderts jährlich zweimal auf natürliche Weise vom Hochwasser überflutet. Seit der Wald "trocken" steht, hat sich die Zusammensetzung der vorkommenden Arten verändert. Nun soll in den Auwald zwischen Weißingen, Riedheim und Leipheim gezielt Hochwasser ausgeleitet werden. Dazu wären massive Bauwerke im Wald erforderlich. Weiter sind Auswirkungen auf das Leipheimer Trinkwassereinzugsgebiet und ein Ansteigen des Grundwassers – vorallem im Riedheimer Bereich – zu erwarten.

Ein FlutPolder wird "geflutet", aber es "fließt" nichts

Flutpolder bedeuten:

  • es werden nur maximaler Hochwasser-Spitzen (> HQ100) gekappt
  • keine Verlangsamung der Hochwasserwelle
  • keine natürliche Hochwasser-/Aue-Dynamik, keine ökologische Wirksamkeit
  • tagelang unnatürlich hoch und lang stehendes, nicht fließendes Wasser
  • Sauerstoffarmut
  • Probleme für/mit Grundwasser
  • Schäden für Tier- und Pflanzenwelt
  • Ablagerung von Fein-Sedimenten und Nährstoffen
  • Schäden im Polder-Betrieb abhängig von: Einstauhöhe, -dauer, -geschwindigkeit, Strömung

Außerdem bleiben Fragen zur Polder-Steuerung offen: Wem nützt die Steuerung? Und die Steuerung ist extrem abhängig von den Vorhersagen. In einer Studie der TU München von 2014 heißt es:

"Tatsächlich wird ein Flutpolder unter den Unsicherheiten von Abflussvorhersagen betrieben, was zu Folge hat, dass die theoretisch maximal erzielbaren Abflussminderungen i.d.R. nicht erreicht werden können."

Deshalb spricht sich der BUND Naturschutz gegen den Bau von Flutpoldern aus!

Stattdessen fordern wir die Umsetzung alternativer Hochwasserschutzmaßnahmen

  1. Auen am Fluss (Erhalt und Wiederherstellung/ Re-Dynamisierung)
  2. Deichrückverlegung (Wiederanschluss von Altauen an Gewässer und natürliche Hydrodynamik)
  3. Verbesserung der Versickerungsfähigkeit des Bodens in der Landnutzung, Wasser-Rückhalt und Abflussverlangsamung an Nebenflüssen, in Mooren, im Wald
  4. Einrichtung von dezentralen kleinen Rückhalteräumen
  5. Erhöhter Wasserrückhalt in Siedlungen: Vermeidung von Versiegelung, mehr Regenwasser-Versickerung

Die Vorteile einer Deichrückverlegung liegen auf der Hand: Alle Hochwasserspitzen werden reduziert. Auch bei starkem Hochwasser fließt im intaktem auetypischen Kleinrelief immer noch Wasser in die Aue, höher liegende Flächen werden sukessive überflutet. Auch werden Hochwasserwellen wirksam verlangsamt und die ökologische Wirkung der Auendynamik bleibt erhalten.

Erfolgreiche Beispiele gibt es bereits

Isarplan 2020 "Mittlere Isar" (Landkreise Freising und  Erding)
Neubau eines flussferneren Deiches, Entfernung der Uferverbauung an der Isar, Renaturierung, dadurch Gewinnung von natürlichen Hochwasser-Rückhalteräumen und Aue-Lebensräumen (Entwicklung von Weichholzaue und Beweidung)

Isar zwischen München und Freising

Durch natürliche Flutung im Auwald konnte der Scheitelabfluss im August 2005 um 180 m³ (ca. 20 % des Gesamtabflusses) gesenkt und verzögert werden.

Bekämpfung der Ursachen und nicht nur der Symptome!

Wir brauchen ein Gesamtpaket für einen Hochwasserschutz mit der Natur:

  • "Masterplan Deichrückverlegung" (Umsetzungsoffensive)
  • Flächendeckende Konzepte für Wasser- und Stoffrückhalt in Teileinzugsgebieten (Landnutzung, Landschaftswasserhaushalt)
  • Umsetzung zusammen mit Programmen wie Natura 2000, WRRL, Biodiv-Strategien etc.
  • Ausreichend Personal und Finanzen sowie attraktivere Förderprogrammen und Anreize (v.a. für Maßnahmen mit hohen Synergieeffekten)
  • Wirksame gesetzliche Vorgaben für den natürlichen Wasserrückhalt (z.B. Gewässerrandstreifen)
  • Eine Agrarreform

Außerdem:

  • Technischer Hochwasserschutz als unmittelbarer Objektschutz (soweit zusatzlich nötig)
  • Vorsorge (auch für den Unterlieger) in Bezug auf die Regenwasserversickerung, den Flächenschutz und den Klimaschutz