Fledermäuse - Lautlose Jäger der Nacht

In Bayern sind 24 Fledermausarten nachgewiesen. 14 Arten stehen, obwohl Fledermäuse bereits seit 1936 gesetzlich geschützt sind, in der Roten Liste, d.h. sie sind ausgestorben, vom Aussterben bedroht oder gefährdet. Die Gründe sind der Verlust der Quartiere durch Zerstörung oder Anwendung von Holzschutzmitteln, das Ausbringen von Insektenbekämpfungsmitteln und der Verlust landschaftlicher Vielfalt. Eine starke Abnahme der Insekten, der Nahrung der Fledermäuse, ist die Folge. Eine leichte Bestandserholung ist bei einzelnen Arten wie z.B. dem Großen Mausohr (Myotis myotis) oder der Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) den letzten Jahren zu beobachten.

Im Landkreis Günzburg sind Sommer- bzw. Winterquartiere bekannt vom Großen Mausohr vom Großen Abendsegler (Nyctalus noctula), der Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus), dem Braunen Langohr (Plecotus auritus), dem Grauen Langohr (Plecotus austriacus), der Kleinen Bartfledermaus (Myotis mystacinus), der Zwergfledermaus, der Fransenfledermaus (Myotis nattereri), der Rauhautfledermaus (Pipstrellus nathusii) und der Wasserfledermaus (Myotis daubentonii). Dazu kommen Einzelfunde der Zweifarbfledermaus (Vespertilio murinus) und der Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus).

Fledermäuse finden im Sommer Quartiere in Baumhöhlen, in Stammrissen oder unter abstehender Rinde. Altbaumbestände mit einem hohen Laubholzanteil sind nicht nur für Fledermäuse überlebenswichtig! Im Siedlungsbereich finden Fledermäuse zudem Unterschlupf in Dachstühlen, in schmalen Spalten hinter Verkleidungen, hinter Fensterläden, in Holzstapeln oder in Mauern und Felsen. Die Zeit des Winterschlafs verbringen die Fledermäuse unserer Region vorwiegend in den Höhlen der Schwäbischen Alp. Alte Eis- und Bierkeller im Landkreis werden von einem kleinen Teil der Fledermäuse als Winterquartier genutzt. Einzelne Arten überwintern auch in Baumhöhlen.

Neben den Naturschutzverbänden kümmern sich seit 25 Jahren Mitarbeiter der Koordinationsstelle für Fledermausschutz in Bayern um den Schutz der Fledermäuse. Die Arbeit der Koordinationsstelle reicht von der Kartierung und Betreuung von Quartieren über Öffentlichkeitsarbeit bis hin zu konkreter Hilfe bei Problemfällen.

So werden z.B. die 5 Mausohrwochenstuben (Wochenstube ist eine Gruppe von Weibchen mit ihren Jungtieren), im Landkreis Günzburg einmal jährlich von Mitarbeitern der Koordinationsstelle und ehrenamtlichen Fledermausschützern begangen und die anwesenden Tiere gezählt. So erhält man über Jahrzehnte eine relativ genaue Aussage über die Bestandsentwicklung dieser Art.

Was kann jeder einzelne tun?

  • Rücksicht nehmen bei Renovierungsarbeiten: werden Fledermausspuren oder Fledermäuse entdeckt, am besten eine Fledermauskundigen hinzuziehen. Es lassen sich so gut wie immer Lösungen finden, die für die Hausbesitzer und für die Fledermäuse passend sind und das Überleben der Tiere ermöglichen.

  • Naturnahe Gestaltung des eigenen Gartens

  • Unterstützung des ökologischen Landbaus durch Kauf ökologisch hergestellter Nahrungsmittel: hier werden keine Insektizide verwendet, dadurch überleben mehr Insekten und damit finden Fledermäuse mehr Nahrung.

  • Anbringen von Fledermauskästen als Quartierangebot.

Fledermausinteressierte können am einfachsten die relativ häufige Wasserfledermaus an Flüssen und Seen beobachten. Leuchtet man mit einer starken Taschenlampe flach über das Wasser, fällt der helle Bauch der jagenden Wasserfledermäuse im Lichtkegel auf. Die Wasserfledermaus fliegt in einer Höhe von 30 bis 50 cm über der Wasseroberfläche und jagt Köcherfliegen, Eintagsfliegen oder Schnaken. Entdeckt sie eine Beute auf dem Wasser, so fischt sie diese mit den Füßen.